Tarifinfo für die Beschäftigten der Rhön Klinikum AG

08.02.2024

Es gilt den Anschluss an die allgemeine Tarifentwicklung zu halten. Die RHÖN AG driftet angesichts der jüngsten Tarifabschlüsse in der Branche zunehmend ins Abseits. Die Entgeltdifferenzen steigen, die Arbeitsbedingungen lassen zu wünschen übrig, mit den Outsourcing-Bestrebungen ist Tarifflucht anvisiert. Die Arbeitgeberseite gibt bislang nicht zu erkennen, dass sie die inflationsbedingten Reallohnverluste sowie den wachsenden Rückstand gegenüber den Arbeits- und Einkommensbedingungen des Branchenstandards (TVöD) anzugehen gedenkt. Die zweite Verhandlungsrunde für die RHÖN-KLINIKUM AG verlief enttäuschend.

Manteltarifvertrag – Arbeitsbedingungen

Wir haben Verhandlungen zum Manteltarifvertrag aufgenommen. Dieser stammt im Kern aus dem Jahr 2006. Im Mantel werden die allgemeinen Arbeitsbedingungen geregelt. Dieser ist redaktionell und materiell auf die Höhe der Zeit zu bringen. Angesichts von Personalmangel und Fachkräfteknappheit ist es der ver.di-Tarifkommission nicht nachvollziehbar, wie statt der branchenüblichen 30 Urlaubstage bei Rhön neue Kolleg*innen mit 26 Tagen Urlaub gewonnen werden sollen.

„Bei uns müssen die Kolleg*innen 10 Jahre warten, um den gängigen Urlaubsanspruch von 30 Tagen zu erhalten“, kritisiert David Kreß, Betriebsrat und Ergotherapeut. Genauso irritierend ist für die Tarifkommission, dass sich die Arbeitgeberseite gegen die branchengängigen Zusatzurlaube für Nachtarbeit sperrt. In kommunalen Krankenhäusern gibt es für Nachtarbeit bis zu vier Tage Zusatzurlaub. Faktisch erhalten die Beschäftigten auch für Schicht- bzw. Wechselschichtarbeit bei Rhön maximal einen Tag Zusatzurlaub im Jahr, im Tarifvertrag des Öffentlichen Dienstes sind es jeweils ein Urlaubstag für zwei Monate Wechselschichtarbeit.

„Bislang lebt unser Arbeitgeber davon, dass der unterirdische Urlaubsanspruch durch die sogenannten neun AZV-Tage verschleiert wird. Faktisch errechnet sich hierdurch eine 38,5 Stundenwoche“, erklärt dazu Wolfgang Büttner, Betriebsrat und Pfleger in der Saaletalklinik: „Mit geringerem Urlaubsanspruch.“ Angesichts der wachsenden Arbeitsverdichtung ist eigentlich Entlastung angesagt. Steigende Krankenstände verdeutlichen die Problematik.

Vergütungstarifvertrag - Entgeltsteigerungen

Schwerpunkt der Tarifverhandlungen sind die Einkommensverhältnisse. Die Entgelte sind aufgrund inflationsbedingter Reallohnverluste und der jüngsten Tarifabschlüsse für die Krankenhausbranche deutlich ins Hintertreffen geraten. So verdienen Pflegehelfer*innen bis zu 36% weniger als ihre Kolleg*innen in kommunalen Krankenhäusern.

Medizinische Fachangestellte werden vielfach als Pflegekräfte eingesetzt, verdienen dennoch bis zu 19% weniger als ihre Kolleg*innen im Öffentlichen Dienst. Bei Therapeut*innen mit schwierigen Aufgaben beläuft sich das Delta gegenüber konkurrierenden Arbeitgebern trotz außertariflicher Zulage auf bis zu über 30%. Wir fordern daher den Tarifabschluss des Öffentlichen Dienstes nachzuvollziehen und bei den besonders abgehängten Berufen und Tätigkeitsfeldern über Veränderungen in der Eingruppierung sowie tariflich abgesicherter Zulagen zumindest eine spürbare Annäherung an den TVöD herzustellen. Die Arbeitgeberseite fährt auf Sicht! Sie kann erklärtermaßen in vielen Bereichen keinen Personalmangel noch -bedarf erkennen.

„Angesichts der Altersstruktur ist unser Klinikum in zehn Jahren kaum aufrechtzuerhalten, wenn wir nicht deutlich attraktivere Arbeits- und Einkommensbedingungen anbieten können“, betont Lisa Vonderlind, MTR und Betriebsrätin. 

Outsourcing - Tarifflucht

Unseren Kolleg*innen der Küche, der Haustechnik sowie der Medizintechnik wurde kurz vor Weihnachten eröffnet, dass sie outgesourct werden sollen. Dies wird von uns als Tarifflucht gedeutet. Wir haben in den Verhandlungen eingebracht, dass wir für die Betroffenen eine Beschäftigungssicherung als auch eine Anbindung an künftige Tarifsteigerungen ihres Mutterhauses fordern. Dies wurde mit dem formalen Verweis, dass man mit dem Betriebsrat Verhandlungen über einen Interessensausgleich führe und der künftige Arbeitgeber nicht am Tisch sitze, vom Tisch gewischt. Wir fordern die betroffenen Kolleg*innen auf sich gewerkschaftlich zu organisieren und eigene Vertreter*innen für ihre Tarifkommission zu wählen. Es geht um viel. Hierzu werden offene Mitgliederversammlungen angeboten.
„Jahrelang haben wir uns für die Rhön AG engagiert. Nunmehr sollen wir ausgegliedert werden. Was wird damit bezweckt? Auf gut Deutsch: Es geht um Tarifflucht und Einsparungen auf unsere Kosten“, kritisiert Thorsten Hegermann, Koch am Campus.

Diese und weitere Informationen finden Sie im Tarifinfo, das zum Download bereitsteht.